Die Arbeit, die Moral und die Motivation
Die letzten Tage gab es ein wenig Diskussion zur Anzahl der Fehltage in Deutschland. Zuletzt haben Bundeskanzler Friedrich Merz und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing die hohen Krankheitstage in Deutschland kritisiert (siehe der Artikel vom 13.03. in der WELT). In ihren Aussagen schwingt der Vorwurf mit, deutsche Arbeitnehmer würden zu häufig krankfeiern. Doch die entscheidende Frage ist eine andere: Warum sollten Menschen sich besonders anstrengen, wenn sie immer weniger davon haben?
Möglicherweise wird hier Ursache und Wirkung verwechselt. Möglicherweise sind die Deutschen nicht faul – viele glauben nur nicht mehr daran, dass sich Leistung und Fleiß noch lohnen. Im Schnitt sind Beschäftigte hierzulande rund 20 Tage im Jahr krankgeschrieben. Internationale Vergleiche sind zwar schwierig, weil Systeme und Erfassungen unterschiedlich sind. Aber selbst wenn die Zahl hoch ist, erklärt sie noch nichts.
Was ist eigentlich aus dem Prinzip geworden „Leistung muss sich lohnen“?
Für viele Menschen ist Arbeit vor allem Mittel zum Zweck. Sie sichern damit ihren Lebensunterhalt, oft in Jobs ohne Prestige, Anerkennung oder Sinnstiftung. Motivation entsteht dann vor allem aus einem einfachen Versprechen: Wer mehr leistet, hat am Ende auch mehr davon. Genau dieses Versprechen wirkt in Deutschland zunehmend unglaubwürdig.
Die Steuer- und Abgabenlast gehört zu den höchsten der OECD. Gleichzeitig erleben Bürger marode Infrastruktur, überforderte Behörden und steigende Kosten im Alltag. Dazu kommt ein Sozialstaat, der in bestimmten Konstellationen kaum noch Anreize setzt, reguläre Arbeit aufzunehmen. Wenn Erwerbstätige sehen, dass sich Nichtarbeit teilweise erstaunlich komfortabel organisieren lässt, beschädigt das zwangsläufig das Gerechtigkeitsempfinden.
Gleichzeitig wächst die finanzielle Belastung des Systems. Immer größere Teile des Bundeshaushalts fließen in soziale Sicherung, während zusätzliche Kosten durch Migration, Energiewende und steigende Staatsausgaben entstehen. Die politische Antwort darauf lautet selten Reform – sondern häufig neue Abgaben.
Für viele Arbeitnehmer entsteht so ein fataler Eindruck: Wer arbeitet, zahlt immer mehr. Wer vorsorgt, wird stärker belastet. Und wer sich besonders anstrengt, steht am Ende gar nicht so viel besser da.
Lasst uns Leistung wieder lohnenswert machen!
Unter solchen Bedingungen sinkt nicht die Moral – sondern das Vertrauen und die Motivation. Vertrauen darauf, dass Leistung sich lohnt und persönlicher Einsatz einen Unterschied macht. Und die Motivation, sich angesichts solcher Missstände überhaupt ins Zeug zu legen.
Arbeitsmoral entsteht nicht durch Appelle – sie entsteht dort, wo sich Leistung lohnt. Deutschland braucht deshalb keine moralische Debatte über Krankheitstage. Es braucht ein System, das wieder glaubhaft macht: Wer arbeitet, kommt voran. SAFE könnte dieses neue Steuer- und Sozialsystem sein. Und wetten? Wenn das Versprechen, Arbeit lohne sich, wieder gilt, wird auch die Motivation zurückkehren.
