Die Schwäche des heutigen Sozialstaats
In der WELT war dieser Tage ein Artikel zu lesen, der in den sozialen Medien gleich mehrfach aufgegriffen und geteilt worden ist. „Ich arbeite Vollzeit, verdiene überdurchschnittlich und ziehe vier Kinder groß. Finanziell komme ich über die Runden – allerdings nur, weil ich keine Miete zahle. Etwas stimmt nicht im sozialen Gefüge“, schreibt Autorin Fatina Keilani (der Artikel ist allerdings hinter einer Bezahlschranke) und trifft damit ganz offensichtlich auf einen Nerv.
Wie Fatina Keilani berichtet, kommt die Familie dank ihrer gut dotierten Vollzeittätigkeit recht gut über die Runden – das liegt aber vor allem daran, dass sie es vor zwanzig Jahren geschafft hat, Wohneigentum zu kaufen, weshalb bei ihr keine hohen Mietkosten anfallen. Ohne diese damals getroffene Entscheidung wäre es für die Familie finanziell deutlich enger.
Beispielhaft zeigt sie die Entwicklung der Wohnkosten in ihrem eigenen Wohnkomplex: Vor zwanzig Jahren zahlte ein Nachbar für seine Wohnung weniger als 600 Euro Miete. Nach dessen Tod wurde die Wohnung renoviert. Die heutigen Bewohner zahlen nun 1800 Euro monatlich.
Für Fatina Keilani zeigt sich damit klar, dass Familiengründung und Kinderreichtum für arbeitende Menschen (!) auch zunehmend an den Wohnkosten scheitern: Wohnungen sind für eine Zwei-Personen-Haushalt noch halbwegs finanzierbar, aber mit der steigenden Anzahl an Kindern liegt eine Familie schnell in einem Bereich, wo eine Wohnung mit vier oder fünf oder mehr Zimmern kaum noch bezahlbar ist – jedenfalls nicht für Normalverdiener.
Anders hingegen bei Transferempfängern: hier zahlt der Staat die Wohnkosten. Und nicht nur das. Eine Familie mit vier Kindern bekäme zu den Unterhaltssätzen und den Wohnkosten auch noch zusätzliche Leistungen für Schulbedarf, Klassenfahrten, Mittagessen, Fahrtkosten oder (falls nötig) auch noch Nachhilfe.
Fatina Keilani hat für ihr Fallbeispiel einmal ausgerechnet, dass sie ohne Arbeit für ihre fünfköpfige Bedarfsgemeinschaft – vier Kinder und sie selbst – bei einer Miete von 1.800 Euro einen monatlichen Bedarf von 4.517 Euro anerkannt bekäme – plus noch die Zusatzleistungen für die Kinder! Insgesamt komme ihre Familie so auf staatliche Leistungen von rund 70.000 Euro jährlich. Interessant sind die genannte statistischen Unterschiede:
- Haushalte von Erwerbstätigen mit Kindern hätten durchschnittlich 1,7 Kinder.
- Haushalte im Bürgergeld hätten hingegen durchschnittlich 1,9 Kinder.
- Hier hätten 24 Prozent der Bedarfsgemeinschaften mit minderjährigen Kindern sogar drei oder mehr Kinder.
- In der Gesamtbevölkerung beträfe dies lediglich 13 Prozent der Familien.
Für Fatina Keilani wird damit deutlich, dass größere Familien im Transfersystem überrepräsentiert seien, weil Familien durch Erwerbsarbeit finanziell nicht mehr ausreichend Einkommen erzielen. Das Missverhältnis zeigt das Bild eines Staates, der Arbeit und Verantwortung immer schwächer belohnt, während er gleichzeitig Lebensmodelle ohne Erwerbstätigkeit umfassend absichert. Genau daraus entwickelt sich bei vielen arbeitenden Menschen der Eindruck, dass sich Leistung kaum noch lohnt.
Der eigentliche Konflikt liegt dabei nicht nur in der Höhe der Sozialleistungen, sondern im Verhältnis zwischen Belastung und Ergebnis. Wer erwerbstätig ist und Kinder hat, erlebt:
- eine hohe Steuer- und Abgabenlast,
- explodierende Wohnkosten,
- dauerhaften finanziellen Druck,
- und gleichzeitig wenig Zeit für die Familie.
Demgegenüber steht ein Transfersystem, das:
- Mieten übernimmt,
- zahlreiche Zusatzleistungen finanziert,
- und den Betroffenen deutlich mehr Zeit für Kinder und Alltag lässt.
Dadurch entsteht ein gesellschaftliches Signal, das verheerend wirkt:
Wer arbeitet, trägt die Last.
Wer nicht arbeitet, verliert zwar Einkommen, aber nicht zwangsläufig Lebenssicherheit.
Der Artikel beschreibt damit eine Entwicklung, in der das traditionelle Leistungsprinzip erodiert. Arbeit erscheint nicht mehr automatisch als Weg zu Wohlstand, Eigentum oder Stabilität. Stattdessen wächst der Eindruck, dass der Sozialstaat die Unterschiede zwischen Erwerbsarbeit und Transferbezug immer weiter verwischt.
Genau daraus entsteht die Wahrnehmung, dass den Menschen die Lust auf Arbeit schleichend genommen wird – nicht durch Ideologie, sondern durch die praktische Erfahrung, dass jegliche Anstrengung finanziell oft kaum noch einen spürbaren Vorsprung erzeugt.
Wenn (wie die Politik beklagt) immer weniger Familien im Land noch Kinder bekommen, so ist das nicht Egoismus oder mangelnder Kinderwunsch, sondern steigende Mieten, fehlendes Eigentum, das Gefühl ausgeplündert zu werden und eine wachsende Unsicherheit über die eigene finanzielle Zukunft.
Genau diese Punkte werden von SAFE adressiert, genau für diese Punkte bietet SAFE die passende Lösung.
