Fallbeispiel: Dennis, 28 Jahre, längere Zeit arbeitslos

Was ändert sich mit SAFE für die Menschen, die bislang nicht oder nicht dauernd gearbeitet haben – obwohl sie durchaus erwerbsfähig waren? Nehmen wir einmal an, es gibt einen Menschen wie Dennis. Er ist inzwischen 28 Jahre alt und es macht ihm auch gar nichts aus, von Bürgergeld zu leben. Eigentlich hat sein Start ins Leben einmal ganz gut ausgesehen: Dennis ist in einer guten Familie aufgewachsen, mit liebenden Eltern. Zugegeben: sein Vater war eher streng zu ihm. Wenn es schlechte Noten in der Schule gab, kam gleich eine Standpauke. Am Anfang hat Dennis sich noch angestrengt, aber bei den Klassenarbeiten war er so schnell in Panik, dass er sie garantiert verhauen hat, was dann zur nächsten schlechten Note führte, was dann wieder zu Streit führte.

Irgendwann hatte Dennis keine Lust mehr auf diesen Stress und ist – kaum war er volljährig – ausgezogen. Anfangs hat er bei Freunden auf dem Sofa geschlafen, dann hat er Sarah kennengelernt und ist bei ihr eingezogen. Er hat sogar eine Lehre als Schreiner angefangen, weil er sich mit Sarah eine Zukunft aufbauen wollte. Aber es kam, wie es kommen musste: Er hatte nicht nur die Klassenarbeiten in der Berufsschule, sondern auch die Abschlussprüfung vor der IHK verhauen. Und die Beziehung zu Sarah ging auch in die Brüche, weil sie sein ständiges Klagen nicht mehr hören wollte.

Kein Plan, keine Zukunft?

Das war’s dann für Dennis. Er hatte überhaupt keinen Plan mehr und auch gar keine Lust auf gar nichts. Von der damaligen Arbeitsberaterin wurde er in einen Hilfsarbeiterjob gedrängt, aber dort hielt er es nicht lange aus. Auf anderen Stellen war es ähnlich, nirgendwo hielt er lange durch. Inzwischen hatte er auch gar keinen Ehrgeiz mehr in dieser Hinsicht. Mit dem Bürgergeld bekam er ja Wohnung und Essen bezahlt, das war zwar alles eher wenig, aber Dennis kam damit über die Runden.

Er half öfter mal seiner älteren Nachbarin mit Einkäufen oder anderen Erledigungen und bekam dafür dann einen Zehner zugesteckt, so dass er ab und zu in einer Kneipe noch ein Bierchen trinken konnte. Ab und zu traf er sich auch mit seiner Mutter, die ihm auch immer wieder etwas zusteckte. Das war alles prima für ihn. Nur keinen Druck, nur kein Stress.

Oder doch noch eine Zukunft?

Als klar war, dass zum nächsten Jahreswechsel mit SAFE ein ganz neues Sozialsystem eingeführt werden würde, war ihm schon vorher mächtig mulmig. Irgendwie war ja klar, dass es nicht mehr so locker weitergehen würde. Es dauerte auch nicht lange, bis er zu einem Gesprächstermin eingeladen wurde. Dort wurde ihm dann erklärt, dass er künftig nur noch die Basisgutschrift von 500 EUR erhalten würde. So etwas hatte er zwar schon läuten hören, aber als es dann so klipp und klar gesagt worden ist, war das dann schon heftig. Ihm wurde ziemlich deutlich klargemacht, dass für Wohnung oder Heizen kein extra Geld mehr käme. Er könnte ja vielleicht ein Zimmer in einer WG mieten und umziehen. Als Alternative könne er auch auf dem Sozialen Arbeitsmarkt einen Job bekommen.

Natürlich fragt Dennis, was für Jobs da angeboten werden und was er dafür bekommt. Der Verdienst ist recht schnell geklärt, es werden 7,50 EUR pro Stunde sein. Mit einer Vollzeitstelle hätte er mehr als genug, um sich damit die Wohnung und die Nebenkosten selbst zu finanzieren. Er hätte sogar mehr übrig als jetzt.

Was die Art der Jobs angeht, so ist das recht vielfältig: Dennis kann sowohl für die Gemeinde tätig werden und zum Beispiel im Bauhof bei dem helfen, was gerade anfällt. Oder er könnte den Hausmeister an der Schule unterstützen. Das Seniorencafé braucht auch immer wieder Helfer. Bei städtischen Veranstaltungen werden immer Leute gebraucht für den Auf- und den Abbau. Schließlich gibt es noch den stadteigenen Abenteuerspielplatz und ein Aufforstungsprojekt draußen am Stadtrand. Und wenn er den Führerschein hätte, könnte er auch Fahrdienste übernehmen und ältere Menschen zum Arzt oder zum Einkaufen begleiten.

Das ist viel mehr als Dennis sich gedacht hatte und er fängt an zu überlegen. Einerseits mag er es schon, mit den Händen zu arbeiten, er könnte sich vorstellen, mit dem Bauhof die Grünanlagen zu betreuen, aber auch Bauarbeiten am Abenteuerspielplatz könnte er sich gut vorstellen. Andererseits mag er es auch, älteren Menschen zu helfen. Früher hat er immer seiner Oma und seinem Opa geholfen, jetzt ist es die ältere Nachbarin, er könnte sich gut vorstellen, einen Begleit- oder Besuchsdienst zu übernehmen und einfach nur Menschen zuhören, was sie von früher erzählen. Wenn er es sich überlegt, würde ihn beides durchaus interessieren. Eigentlich fällt es ihm fast schwer, sich zu entscheiden. Aber er weiß, dass er jetzt endlich mal anfangen muss, selbst für sein Leben zu sorgen – und wer weiß: vielleicht tut es ihm ja gut und vielleicht ist das ja für ihn ein Einstieg in einen Neuanfang … eigentlich klingt das doch gar nicht schlecht, oder?

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