Mehr über den Sozialen Arbeitsmarkt

Ein wesentlicher Bestandteil des SAFE-Konzepts besteht ja darin, die Pflichtbeiträge für die Arbeitslosenversicherung zu streichen und diese stattdessen (zusammen mit den anderen Pflichtbeiträgen für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung) in das Superbrutto bzw. Supernetto fließen zu lassen.

Eigene Absicherungsmöglichkeiten

Was passiert aber im Fall einer Arbeitslosigkeit? Für eine Phase der Arbeitslosigkeit reduziert sich die Unterstützung bei SAFE auf die Basisgutschrift von 500 EUR plus befristet noch eine zusätzliche Arbeitslosengutschrift in Höhe von 0,5 G, also 250 EUR. Wer jedoch Kosten zu tragen hat für eine Wohnung, vielleicht ein Auto, vermutlich auch Versicherungen wie z.B. Hausrat, Haftpflicht etc., wird mit 750 EUR kaum auskommen. Es gibt aber Lösungen, denn wenn jedem klar ist, dass es im Fall einer Arbeitslosigkeit erst einmal nur noch 750 EUR gibt, bleibt es ja jedem überlassen, eigene Vorsorge zu betreiben:

  • für den Fall, dass die Arbeitslosigkeit aus einer verminderten Erwerbsfähigkeit (möglicherweise eine chronische Krankheit) resultiert, gäbe es die Möglichkeit zusätzlicher Härtefallgutschriften
  • ganz unabhängig von der Frage der Erwerbsfähigkeit hat jeder Erwerbstätige die Möglichkeit, sich von dem höheren Supernetto privat gegen Arbeitslosigkeit zu versichern, um für die Zeit bis zur nächsten Arbeitsstelle besser abgesichert zu sein – vielleicht auch in Kombination damit, von dem höheren Supernetto etwas „auf die hohe Kante“ zu legen, um für den Fall einer Arbeitslosigkeit eine gewisse Zeit überbrücken zu können
  • falls jemand nicht ausreichend gegen Arbeitslosigkeit abgesichert ist oder sein Geld „auf der hohen Kante“ nicht dafür einsetzen will, kann man sich auch während der Arbeitslosigkeit mit einem gemeinnützigen Job auf dem Sozialen Arbeitsmarkt etwas hinzuverdienen, und zwar ohne dass etwas von der Basis-Absicherung abgezogen wird!

Anbieter für Jobs auf dem lokal/regional organisierten Sozialen Arbeitsmarkt können die Kommunen selbst sein, soziale oder kirchliche Einrichtungen sowie andere gemeinnützige Institutionen und Einrichtungen. Wichtig: es geht nur um gemeinwohlorientierte Tätigkeiten, die gesellschaftlich sinnvoll sind und die im regulären Arbeitsmarkt nicht ausreichend abgedeckt sind. Die Jobs auf dem Sozialen Arbeitsmarkt sollen keine Jobs auf dem regulären Arbeitsmarkt verdrängen!

Bezahlt werden die Jobs auf dem Sozialen Arbeitsmarkt aus Steuergeldern zu einem Stundenlohn von 7,50 EUR, was in einem Vollzeitjob zu einem vollwertigen Einkommen führt. Natürlich ist der Stundenlohn eher niedrig gehalten, um das Lohnabstandsgebot nicht zu verletzen. Letzten Endes geht es ja nicht darum, einen Job im Sozialen Arbeitsmarkt als Dauerlösung zu sehen, sondern es ist ja als Zwischenlösung gedacht zwischen zwei Jobs auf dem regulären Arbeitsmarkt.

Im folgenden nun eine Übersicht über mögliche Tätigkeiten, zuerst nach Einsatzbereich sortiert, dann nochmals nach Qualifikationsniveau …

Typische Tätigkeiten des Sozialen Arbeitsmarkts nach Einsatz

Nicht jeder ist handwerklich begabt, nicht jeder kann oder mag Büroarbeit, nicht jeder hat ein Händchen für den Umgang mit Kindern oder Älteren – und dennoch findet sich eine Bandbreite von Jobmöglichkeiten, wo jeder etwas finden sollte, was seinen Fähigkeiten, Interessen und Talenten entspricht:

Umwelt, Natur & Stadtbild

  • Pflege von Grünanlagen, Parks und Friedhöfen
  • Reinigung von öffentlichen Plätzen und Wegen
  • Anlage und Pflege von Gemeinschaftsgärten
  • Unterstützung bei Anpflanz-/Aufforstungsprojekten
  • Mitarbeit im Umwelt- und Naturschutz (z. B. Biotop-Pflege)
  • Betreuung von Recycling- und Wertstoffprojekten
  • usw.

Soziales & Betreuung

  • Besuchsdienste für ältere oder einsame Menschen oder für Menschen mit Behinderung
  • Alltagsbegleitung/Begleitung zu Arztterminen oder Behörden
  • Unterstützung in Seniorenheimen (Freizeitangebote, Gespräche)
  • Hilfe bei Integrationsprojekten für Migranten
  • Unterstützung von Tafeln oder Sozialkaufhäusern
  • Mithilfe in Obdachlosenhilfeeinrichtungen

Bildung & Kinderbetreuung

  • Unterstützung in Schulen (z. B. Hausaufgabenhilfe)
  • Mitarbeit in Kindertagesstätten (nicht-pädagogische Tätigkeiten)
  • Betreuung von Spiel- und Freizeitangeboten
  • Unterstützung bei Sprachförderangeboten für Migranten
  • Mithilfe/Organisation bei Ferienprogrammen

Kultur, Sport & Gemeinschaft

  • Pflege von Vereinsanlagen (Sportplätze etc.)
  • Mithilfe/Organisation von Stadtteil-/Nachbarschaftsprojekten
  • Unterstützung in Museen oder lokalen Ausstellungen, Mitarbeit in (Stadt-)Bibliotheken
  • Unterstützung bei kulturellen Veranstaltungen, Begleitung von Stadtfesten oder Events

Öffentliche Einrichtungen

  • Unterstützung in Krankenhäusern (Service, Begleitdienste)
  • Hilfe bei Bürgerdiensten (z. B. Formularhilfe, Orientierung)
  • Fahrdienste für soziale Einrichtungen
  • Hausmeisterhilfen in öffentlichen Gebäuden
  • Logistische Unterstützung (z. B. Materialverteilung)

Digitalisierung & Integration

  • Hilfe bei digitalen Angeboten (z. B. Schulungen für Senioren oder auch Hilfe bei PC-/Handy-Fragen)
  • Unterstützung bei der Digitalisierung von Archiven
  • Betreuung von Computer- oder Medienräumen
  • u.ä.

Typische Tätigkeiten des Sozialen Arbeitsmarkts nach Qualifikation

Die möglichen Jobs auf dem Sozialen Arbeitsmarkt lassen sich natürlich nicht nur nach Einsatzbereich klassifizieren, sondern auch nach Qualifikationsniveau – so gibt es ausreichend Möglichkeiten für „niedrigschwelligere“ Tätigkeiten bis hin zu Tätigkeiten, die für jemand mit Berufsabschluss oder akademischem Abschluss passen könnten:

Ohne Schulabschluss / sehr geringe Qualifikation

Hier geht es nach einer Anlernphase vor allem um praktische, klar strukturierte Tätigkeiten wie z.B.:

  • Helfer in kommunalen Bauhöfen und Unterstützung bei der Pflege von Grünanlagen (Parks, Friedhöfe)
  • Reinigungs- und Hausmeisterhilfstätigkeiten in sozialen Einrichtungen
  • Mithilfe in Tafeln oder Kleiderkammern (sortieren, ausgeben)
  • Unterstützung in Tierheimen (füttern, reinigen)
  • einfache Tätigkeiten in Sozialkaufhäusern (Waren sortieren, Verkaufshilfe)
  • Unterstützung bei Stadtteilprojekten oder Nachbarschaftshilfen

Mit Schulabschluss / ohne Ausbildung

Je nach individuellen Fähigkeiten könnte hier etwas mehr Verantwortung und soziale Interaktion möglich sein:

  • Betreuungshilfe in Seniorenheimen (keine Pflege, aber Alltagsbegleitung)
  • Unterstützung in Kitas oder Horten oder Helfer in Jugendzentren
  • Mitarbeit in Bibliotheken (Ausleihe, Rückgabe o.ä. Aufgaben)
  • Assistenz/Begleitung bei Integrations- und Sprachkursen
  • Mitarbeit bei kommunalen Projekten zur Stadtentwicklung oder auch einfache Verwaltungsunterstützung (Post, Ablage)

Mit abgeschlossener Berufsausbildung

Typische Aufgaben für jemanden mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und Interesse an Eigenverantwortung oder Anleitung anderer könnten sein:

  • Individuelle Unterstützung in der Betreuung (z. B. Alltagsbegleiter, Erzieherhelfer)
  • Unterstützung in der Verwaltung von sozialen Einrichtungen
  • Unterstützung bei Hauswirtschaftsleitung oder Küchenorganisation
  • Anleiter in Beschäftigungsprojekten (z. B. Werkstätten)
  • Organisation/Koordination von ehrenamtlichen Kräften für ein Projekt

Mit Studium / akademischer Qualifikation

Je nach individuellen Fähigkeiten/Interessen geht es hier um konzeptionelle, beratende und vielleicht auch steuernde Tätigkeiten:

  • Sozialarbeit / Sozialpädagogik (Beratung, Fallmanagement)
  • Projektarbeit im Integrationsbereich oder bei karitativen/ähnlichen Organisationen
  • Bildungsarbeit (z. B. Sprachkurse, Erwachsenenbildung)
  • Arbeitsmarktintegration und Coaching von Langzeitarbeitslosen
  • Forschung / Evaluation kommunaler bzw. sozialer Projekte (z.B. Berechnung und Auswertung erfolgter Maßnahmen)
  • u.ä.

Sozialer Arbeitsmarkt als Brückenjob?

Eine Stelle auf dem Sozialen Arbeitsmarkt ist in der Regel niedrigschwellig gestaltet, jedoch mit der Möglichkeit eines beruflichen Wachstums. Falls eine Qualifikation für den regulären Arbeitsmarkt fehlt, kann diese über eine Fort- oder Weiterbildung absolviert werden. Letzten Endes dient der Soziale Arbeitsmarkt dazu, die Tagesstruktur des Arbeitslebens nicht zu verlieren, sich eventuell weiterzuqualifizieren und damit dann leichter wieder einen Wiedereinstieg in den regulären Arbeitsmarkt zu erhalten.

Und wer weiß: vielleicht kann jemand bei seinem Arbeitgeber auf dem Sozialen Arbeitsmarkt so gut punkten, dass aus der sozialen eine reguläre Stelle wird – ganz sicher könnte die eine oder andere Stelle auf dem Sozialen Arbeitsmarkt zu einem Brückenjob werden, über den jemand aus der Arbeitslosigkeit mit sozialem Job zurück in einen regulären Job kommt.